Auf diesem Blog geht es um Menschen, Projekte und Ideen bei der Diakonie Hochfranken sowie um Themen rund um Religion(en) und Spiritualität

Auf diesem Blog geht es um Menschen, Projekte und Ideen bei der Diakonie Hochfranken sowie um Themen rund um Religion(en) und Spiritualität

Für den sogenannten Trauermonat November haben wir heute eine Lese-Empfehlung der Psychologin und Schriftstellerin Helga Schubert: „Die Woche danach. Ein Stundenbuch der Hoffnung.“ (dtv, 176 Seiten). Schubert hat zehn Jahre lang ihren Mann gepflegt und dabei auf vieles verzichtet – aber gleichzeitig viel Zeit für sich und fürs Schreiben gewonnen.

Da sie kaum aus dem Haus kam, Einladungen und Telefonate abgesagt hat oder nicht annehmen konnte, blieb ihr „eine äußerst produktive Arbeitsatmosphäre als Schriftstellerin“ (Welt am Sonntag vom 1.11.2026). Beide Partner haben übrigens zu DDR-Zeiten als klinische Psychologen an der Berliner Charité gearbeitet.

Sicher nicht alltäglich: Schuberts Buch zeigt, wie man sich, bei aller Trauer, selbst mit 86 Jahren neu sortieren kann – indem man sich (neue) Aufgaben sucht. Dazu kam in ihrem Fall eine „glückliche Fügung“: Sie wurde eingeladen, eine Rede zum 50. Jubiläum des Ingeborg-Bachmann-Preises zu halten. Sie selbst hat diesen Preis vor einigen Jahren – als älteste Preisträgerin überhaupt – erhalten.

Und warum eigentlich „Trauermonat“? Diese Bezeichnung hat mit den christlichen Gedenktagen Im November zu tun: Allerheiligen und Allerseelen bei den katholischen und Ewigkeitssonntag bei den evangelischen Christen (der am Sonntag vor dem 1. Advent begangen wird).
Zum Weiterlesen: Eine Themenseite zum Ewigkeitssonntag bietet Hilfe und Orientierung: Vorsorgen, Trauern, Erinnern – Orientierung in schweren Zeiten – EKD
Wer kennt nicht diese Bibelstelle? Wir sind auf einen interessanten Beitrag vom Deutschlandfunk gestoßen: „Vergessen Sie alles, was Sie über dieses Bibelzitat gehört haben. Im Judentum wir es anders interpretiert als im Christentum“, behauptet Rabbiner Rothschild laut diesem Beitrag.

Rotschild meint damit vermutlich die früher unter Christen häufig zu hörende Auffassung, im „Alten Testament“ sei mit dieser Regel so etwas wie Blutrache oder Körperstrafe gemeint und erst Jesus habe dem ein neues Gebot entgegengesetzt.

Im Judentum wird die Bibelstelle (2. Mose, Kapitel 21, 24) jedoch allgemein so verstanden: Dem / der Geschädigten soll der Schaden, der ihm / ihr entstanden ist, erstattet werden. Und „auch noch bis 20 Prozent des Verlustes oben drauf“, sagt Rabbiner Walter Rothschild. Es geht also ganz klar um Schadenersatzzahlungen.
Und was sagt nun Jesus dazu?
In der Bergpredigt sagt Jeus laut Matthäusevangelium: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ (Mt. 5, 38 – übernommen aus: Das Neue Testament – jüdisch erklärt).

Das Institut für Israelogie zitiert dazu den Theologen und Menschenrechtsexperten Thomas Schirrmacher: Jesu Aufforderung „Widersteht 1 nicht dem Bösen“ sei kein prinzipielles Verbot von Selbstverteidigung und Rechtsanspruch, sondern bedeute je nach Situation den Verzicht auf das eigene Recht, um den Frieden zu wahren und den Unfrieden nicht noch zu verschärfen. 1 gemeint ist wohl: „widerstrebt“– siehe oben
Schirrmacher betont laut diesem Beitrag aber auch, dass zur Zeit Jesu Staat und Gerichte für einen Ausgleich des entstandenen Schadens zuständig seien.
Zum Weiterlesen:
https://www.deutschlandfunk.de/suende-schuld-und-vergebung-im-judentum-einmal-und-nie-100.html
https://www.thomasschirrmacher.info/wp-content/uploads/2009/02/mbstexte007.pdf
Sowie: Das Neue Testament – jüdisch erklärt, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2021
“Evangelische Migrationsgeschichte(n)“: Das ist der Titel der Wanderausstellung, die bis 16. November 2026 im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad zu sehen ist.
Die Ausstellung erzählt die Lebensgeschichten von protestantischen Migrantinnen und Migranten aus fünf Jahrhunderten – vom Poitou bis in die Karpaten, von großen reformatorischen Persönlichkeiten bis zu Flüchtlingen, von denen kaum mehr als der Name bekannt ist. Es geht um Flucht und Vertreibung, aber auch um Auswanderung und moderne Berufsmigration.

Gerade angesichts der heutigen Diskussionen über Migrationsthemen betont der Historiker Dr. Thomas Greif, Leiter des Diakoniemuseums Rummelsberg, dass das Thema doch alles andere als neu sei:
„Die Geschichte des homo sapiens ist eine Geschichte von Migration.“ Und besonders die evangelische Kulturgeschichte sei ohne Geschichten von Flucht und Vertreibung überhaupt gar nicht zu verstehen. Die Ausstellung wurde von zehn evangelischen Museen in sechs europäischen Ländern, darunter dem Diakoniemuseum Rummelsberg, gemeinsam erarbeitet.
Eintritt frei. Weitere Informationen unter: www.ebz-alexandersbad.de sowie per Mail: info@ebz-alexandersbad.de

Was bedeutet Schutz? Im Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim wird bis zum 30. Mai 2027 die Ausstellung „Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof“ mit künstlerischen Positionen zu Fragilität, Schutz und Gemeinschaft gezeigt. Ausgangspunkt ist das jüdische Fest Sukkot und die Sukka (Laubhütte) als provisorischer Schutzraum: durchlässig, verletzlich, nur vorübergehend – und gerade darin ein Ort gemeinsamer Gegenwart.
In Zeiten von Krieg, Flucht und gesellschaftlicher Polarisierung gewinnt diese Symbolik eine besondere Dringlichkeit. Die von Johanna Weiß und Daniel Laufer kuratierte Ausstellung verbindet zeitgenössische künstlerische Positionen mit jüdischer Tradition und fragt danach, wie Gemeinschaft entstehen kann, ohne Verletzlichkeit zu leugnen.
„Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof“ ist Teil der bundesweiten Reihe Dagesh-Studio on the Road und wird in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim realisiert. Diese Infos stammen vom Netzwerk Jüdisches Bayern: https://netzwerk-juedisches-bayern.de/termin/ausstellung-der-himmel-als-dach-the-sky-as-a-roof
Im Bayerischen Fernsehen gibt es dazu einen kurzen Filmbeitrag:
Warum schreibt die Diakonie „Erzieher:innen“ und nicht einfach Erzieherinnen und Erzieher? Andere verwenden ein Sternchen in der Mitte eines Wortes oder machen „Erziehende“ daraus.
Zugegeben, manchmal sieht ein Wort mit einem Doppelpunkt in der Mitte schon etwas sperrig aus. Für viele ist und bleibt diese Schreibweise auch fremd. Außerdem: Hat Gott nicht Frau und Mann geschaffen und nichts anderes? Andere Geschlechter werden in der Bibel doch gar nicht erwähnt, oder?

Die Schreibweise „Erzieher:in“ oder „Senior:in“ soll für all diejenigen stehen, die sich nicht eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen können oder wollen. Wir möchten damit alle Menschen ansprechen und niemanden ausschließen. Das gleiche gilt übrigens für die Abkürzungen „m/ w / d“ in Stellenausschreibungen.
Muss das wirklich sein? Darüber kann man sich streiten. Auf evangelisch.de gibt es noch mehr schlaue Gedanken dazu:

„Eischoa“ – ihr Nachname bedeute auf Aramäisch – ihrer Muttersprache – etwa so viel wie „Jesus“, erzählt Jenan. Die gebürtige Irakerin lebt seit dem Jahr 2000 in Deutschland. Doch nicht nur ihr Name verbindet sie mit dem christlichen Glauben, denn sie betont: „Ich bin stolz, katholisch zu sein.“
Seit vielen Jahren engagiert sich Jenan in Hof, erst als Schulbegleiterin (Förderung von Grundschulkindern und Familien), später beim Projekt „Stadtteilmütter“ im Bahnhofsviertel. Heute ist sie aktiv beim internationalen Kochtreff „Über den Tellerrand“ und gibt einen kleinen Deutschkurs für arabische Frauen.

Außerdem hat sie vor einigen Jahren die Ausbildung als Sprach- und Kulturmittlerin in unserem Projekt „Gecko“ gemacht und hilft noch jetzt aus, wenn zum Beispiel bei TAFF (Therapeutische Angebote für Flüchtlinge) jemand zum Übersetzen gebraucht wird. Oder vielleicht auch nur zum gegenseitigen Sich-Verstehen, denn es geht bei diesen Kontakten eben oft nicht nur um Sprache, sondern um ganz unterschiedliche Voraussetzungen im Denken und den Traditionen hier und im Herkunftsland der Geflüchteten.
Doch bei allem Engagement: Eigentlich sucht Jenan schon lange wieder einen Job. Eine Zeit lang hat sie als Verkäuferin gearbeitet. Das würde sie gern wieder machen, auch wenn sie dafür leider kein „Papier“ hat, also keine Ausbildung. Aber sie wirft stattdessen ihre Lebenserfahrung „zwischen den Welten“ und als vierfache Mutter in die Waagschale.
„Was ich nicht konnte, sollten meine Kinder erreichen“, unterstreicht Jenan. Alle vier Kinder studieren oder arbeiten in ihrem Beruf. Jenans ganze Geschichte gibt es im aktuellen ProHof Magazin (Seite 7).
(cs)
So heißt der Titel einer Fernsehsendung auf TVO. In dem Beitrag unten geht es darum, was verschiedene Initiativen gegen Einsamkeit tun.
Die Pionierkirche YouLO in Hof will zum Beispiel Menschen zusammenbringen, die sonst vielleicht nicht unbedingt in eine Kirche gehen. Bei Konzerten zum Beispiel. So war unter anderem der Sing- und Songwriter Bastian Benoa schon in Hof zu Besuch (bekannt von „The voice of Germany“.
Mehr über YouLo und Bastian Benoa gibt es in dem Beitrag etwa ab Minute 8:18
Die nächsten Termine von YouLO findet man auf Insta, Facebook und hier
Als „Jerusalem am Rhein“ werden oft die drei sogenannten SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz bezeichnet. SchuM ist der Verbund, den die jüdischen Gemeinden der drei Städte im Mittelalter gebildet haben. Heute bestehen dort noch beeindruckende Zeugnisse jüdischer Religion und Kultur. Die Verfasserin dieses Beitrags hat vor allem die uralte, tief unter der Erde gelegene Mikwe in Speyer beeindruckt, ein rituelles Tauchbad.

Die einzelnen SchUM-Stätten wie archäologisch nachgewiesene oder wiederaufgebaute Synagogen, Ritualbäder und Friedhöfe zählen heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das Wort SchUM ist ein Akronym aus den hebräischen Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen Namen der drei Städte.

Der jüdische Rapper und Autor Ben Salomo begab sich vor einiger Zeit auf eine Reise in die Welt seiner Vorfahren – in den SchUM-Städten! Denn mit vollem Namen heißt der Musiker Jonathan Kalmanovich Ben Salomo und sein Nachname geht auf den Namen Kalonymos zurück. Diese Familie Kalonymos war vor 1000 Jahren ausgesprochen wichtig für die jüdischen Gemeinden in den drei Städten. In einem sehenswerten Film von WELT kann man diese Spurensuche miterleben.
Interessant ist auch Ben Salomo selbst. Es gibt nur einen, so heißt eins seiner Lieder. Und weiter: Einige nennen ihn Allah, andere Andonai – und alle bestehen darauf, die Wahrheit gepachtet zu haben. Doch Gott gab den Menschen mehr als als nur einen Finger – und er gab ihnen auch mehr als nur einen Weg zu Gott … Auf seiner Homepage kann man den Song ganz leicht finden.
(cs)
Sommerzeit ist Lesezeit – deshalb heute mal ein Buchtipp. „Sofies Welt“ ist ganz und gar nicht neu. Aber wer den Bestseller noch nicht kennt – und ein Spätzünder ist wie die Schreiberin dieser Zeilen 🙂 – könnte daran Freude haben.
Wie kann die Welt, der Mensch, eigentlich aus dem Nichts entstanden sein? Lange war in der Menschheit klar: Alles, was ist, kommt von Gott. Die Philosophen widersprechen dem gar nicht mal, aber sie wollen noch mehr wissen … eine spannende Reise durch verschiedenen Gedankenwelten!

Aber zunächst denkt man, hm, ein Jugendroman, was soll das denn? Und dann noch zum Thema Philosophie?!? „Ein dickes Buch, mit spitzen Fingern angefasst und mit Begeisterung zugeklappt,“ hat die „Die Zeit“ dazu geschrieben.

Zum Inhalt: Mysteriöse Briefe landen im Briefkasten der 15-jährigen Sofie Amundsen in Oslo. Mit Fragen wie „Wer bist du?“, „Was ist ein Mensch?“ und „Woher kommt die Welt?“. Sofie versteht erst mal überhaupt nicht, was das soll und hat keine Ahnung, wer ihr diese Briefe eigentlich schreibt.

Doch bald werden die Briefe ausführlicher und entführen in die geheimnisvolle Gedankenwelt der großen Philosophen. Dabei geht es auch um die (Denk-) Geschichte Europas, der Antike, des Mittelalters und der Renaissance. Sofie hat mittlerweile Feuer gefangen und möchte immer mehr wissen. Natürlich auch, wer eigentlich der Briefeschreiber ist …
Jostein Gaarder ist ein norwegischer Schriftsteller. Er studierte Philosophie, evangelische Theologie und norwegische Literaturwissenschaft. Mit Sofies Welt wurde er weltweit bekannt ; das Buch wurde in 65 Sprachen übersetzt.
cs
Azza Mobayed steht für viele Zugewanderte, die sich ehrenamtlich bei uns engagieren. Seit Kurzem bietet sie ein Deutsch-Online-Training für Frauen an und auch sonst macht sie so einiges. Unter anderem ist sie bei Über den Tellerrand Kochen dabei. Hier stellt sie sich vor:

„Ich bin 24 Jahre alt und seit Oktober 2024 in Deutschland. Ich bin Absolventin der Fakultät für Übersetzen und Dolmetschen (Syrien). Ich spreche Türkisch und Arabisch auf muttersprachlichem Niveau sowie sehr gut Englisch und Deutsch. Ich habe bereits als schriftliche und mündliche Übersetzerin gearbeitet und bin nebenbei auch als Lehrerin tätig gewesen.“
Außerdem interessiert sich Azza sehr für Design, Fotografie und Voiceover-/Sprecherarbeit. Kreative Arbeit macht ihr besonders viel Freude. Zurzeit lernt sie weiterhin Deutsch und wünscht sich, in Zukunft im kreativen oder sozialen Bereich zu arbeiten.
Wir haben Azza auch gefragt, welche Rolle der Glaube in ihrem Leben spielt. „Der Islam bedeutet für mich vor allem Respekt und Mitgefühl – Werte, die mich dazu bewegen, im Rahmen meiner Möglichkeiten anderen Menschen zu helfen und achtsam mit ihnen umzugehen.“
PS: Wie kreativ Azza ist, zeigt ein witziges Video mit ihr, das sie selbst bearbeitet hat: https://youtu.be/GWMSD4QkKGo