Heba Abdullah aus Hof, Mitarbeiterin der Diakonie Hochranken, und ihre Familie besuchen gern die Evangelische Kirche und fahren ab und zu zur rum-Orthodoxe Gemeinde in Leipzig. Was ist das eigentlich?

Die Kirche entwickelte sich in der antiken Stadt Antiochia, der Hauptstadt der Provinz Syria unter römischer Herrschaft – ist also sehr, sehr alt. Im 5. Jh. entwickelte sich ein Teil der Christen aus Antiochia zu den rum-Orthodoxen, ein anderer Teil zum syrisch-orthodoxen Patriarchat von Antiochia. „Rum“ steht für rhomaios = Oströmer bzw. Byzantiner. In der heutigen Südosttürkei gelegen heißt Antiochia übrigens Antakya.

Die Unterschiede lagen im Verständnis von der sogenannten Natur Christi – siehe unten. Die Rum-Orthodoxen sind jedoch offen für den Dialog mit anderen Religionen, mit denen ihre orientalischen Vorfahren jahrhundertelang zusammengelebt haben, heißt es weiter auf der Homepage der Leipziger Gemeinde.
In Syrien leben die Christen im Allgemeinen friedlich mit Muslimen zusammen. Wie schätzt Heba persönlich die Lage für Christen in dem Land derzeit ( Frühsommer 2026) ein?

„Bis jetzt leben die Christen in Syrien weitgehend normal“, sagt Heba. „Meine Eltern leben weiterhin wie vorher, und auch die Kirche arbeitet wie früher. Die Schulen sind offen, zumindest in Aleppo, meiner Heimatstadt. Über andere Städte kann ich nicht so viel sagen“, ergänzt die ausgebildete Juristin. Ihre Einschätzung bedeute daher nicht, dass alle Christen in Syrien die Situation genauso erleben oder empfinden.
Info: Die Natur Jesu Christi
Über diese Frage gab es unter Christen lange erbitterten Streit. Auf dem Konzil von Chalkedon wurde im Jahr 451 das Verhältnis von göttlicher und menschlicher Natur (dem Wesen) Jesus Christi zugunsten der Zwei-Naturen-Lehre entschieden. Das bedeutet, Jesus Christus ist eine Person in zwei Naturen. Diese zwei Naturen sind unvermischt vereint. Rum-Orthodoxe bekennen sich zu Jesus Christus als wahrem Gott und wahrem Menschen in zwei Naturen.
In der Folge spalteten sich die orientalisch-orthodoxen Kirchen ab. Sie glauben, in Jesus Christus seien die zwei Naturen zu einer einzigen vermischt worden. Die Christen unter dem Syrisch-orthodoxen Patriarchat von Antiochia bekennen sich also zu Jesus als wahrem Gott und wahrem Menschen in einer Natur.
cs
