„Ich möchte Menschen helfen!“

Azza Mobayed steht für viele Zugewanderte, die sich ehrenamtlich bei uns engagieren. Seit Kurzem bietet sie ein Deutsch-Online-Training für Frauen an und auch sonst macht sie so einiges. Unter anderem ist sie bei Über den Tellerrand Kochen dabei. Hier stellt sie sich vor:

Azza Mobayed

„Ich bin 24 Jahre alt und seit Oktober 2024 in Deutschland. Ich bin Absolventin der Fakultät für Übersetzen und Dolmetschen (Syrien). Ich spreche Türkisch und Arabisch auf muttersprachlichem Niveau sowie sehr gut Englisch und Deutsch. Ich habe bereits als schriftliche und mündliche Übersetzerin gearbeitet und bin nebenbei auch als Lehrerin tätig gewesen.“

Außerdem interessiert sich Azza sehr für Design, Fotografie und Voiceover-/Sprecherarbeit. Kreative Arbeit macht ihr besonders viel Freude. Zurzeit lernt sie weiterhin Deutsch und wünscht sich, in Zukunft im kreativen oder sozialen Bereich zu arbeiten.

Wir haben Azza auch gefragt, welche Rolle der Glaube in ihrem Leben spielt. „Der Islam bedeutet für mich vor allem Respekt und Mitgefühl – Werte, die mich dazu bewegen, im Rahmen meiner Möglichkeiten anderen Menschen zu helfen und achtsam mit ihnen umzugehen.“

PS: Wie kreativ Azza ist, zeigt ein witziges Video mit ihr, das sie selbst bearbeitet hat: https://youtu.be/GWMSD4QkKGo

Orthodox – und offen für andere

Heba Abdullah aus Hof, Mitarbeiterin der Diakonie Hochranken, und ihre Familie besuchen gern die Evangelische Kirche und fahren ab und zu zur rum-Orthodoxe Gemeinde in Leipzig. Was ist das eigentlich?

Heba in einer orthodoxen Kirche in Syrien

Die Kirche entwickelte sich in der antiken Stadt Antiochia, der Hauptstadt der Provinz Syria unter römischer Herrschaft – ist also sehr, sehr alt. Im 5. Jh. entwickelte sich ein Teil der Christen aus Antiochia zu den rum-Orthodoxen, ein anderer Teil zum syrisch-orthodoxen Patriarchat von Antiochia. „Rum“ steht für rhomaios = Oströmer bzw. Byzantiner. In der heutigen Südosttürkei gelegen heißt Antiochia übrigens Antakya.

Eine Hochzeit in einer rum-orthodoxen Kirche in Aleppo

Die Unterschiede lagen im Verständnis von der sogenannten Natur Christi – siehe unten. Die Rum-Orthodoxen sind jedoch offen für den Dialog mit anderen Religionen, mit denen ihre orientalischen Vorfahren jahrhundertelang zusammengelebt haben, heißt es weiter auf der Homepage der Leipziger Gemeinde.

In Syrien leben die Christen im Allgemeinen friedlich mit Muslimen zusammen. Wie schätzt Heba persönlich die Lage für Christen in dem Land derzeit ( Frühsommer 2026) ein?

Heba mit ihrer kleinen Tochter

„Bis jetzt leben die Christen in Syrien weitgehend normal“, sagt Heba. „Meine Eltern leben weiterhin wie vorher, und auch die Kirche arbeitet wie früher. Die Schulen sind offen, zumindest in Aleppo, meiner Heimatstadt. Über andere Städte kann ich nicht so viel sagen“, ergänzt die ausgebildete Juristin. Ihre Einschätzung bedeute daher nicht, dass alle Christen in Syrien die Situation genauso erleben oder empfinden.

Info: Die Natur Jesu Christi

Über diese Frage gab es unter Christen lange erbitterten Streit. Auf dem Konzil von Chalkedon wurde im Jahr 451 das Verhältnis von göttlicher und menschlicher Natur (dem Wesen) Jesus Christi zugunsten der Zwei-Naturen-Lehre entschieden. Das bedeutet, Jesus Christus ist eine Person in zwei Naturen. Diese zwei Naturen sind unvermischt vereint. Rum-Orthodoxe bekennen sich zu Jesus Christus als wahrem Gott und wahrem Menschen in zwei Naturen.

In der Folge spalteten sich die orientalisch-orthodoxen Kirchen ab. Sie glauben, in Jesus Christus seien die zwei Naturen zu einer einzigen vermischt worden. Die Christen unter dem Syrisch-orthodoxen Patriarchat von Antiochia bekennen sich also zu Jesus als wahrem Gott und wahrem Menschen in einer Natur.

cs

Erst bejubelt …

Von Palmsonntag bis Karfreitag: Am Palmsonntag ist Jesus auf einem Esel nach Jerusalem geritten, begleitet und gefeiert von seinen Anhängern – am darauffolgenden Freitag wurde er ans Kreuz geschlagen. Erst Jubel, dann elender Tod.

Mit Palmenzweigen wurde Jesus von den Menschen bejubelt, als er auf einem Esel reitend nach Jerusalem kam

Heute werden Menschen im Internet gefeiert – aber wehe, sie sagen oder tun etwas, was der Menge nicht gefällt.

Heute wird keiner mehr ans Kreuz geschlagen, sagt Pfarrer Michale Zippel. „Aber dass Menschen bejubelt und gefeiert und nach kürzester Zeit beschimpft, verspottet und auf Social Media an den Pranger gestellt werden, das gibt es heute fast jeden Tag: Fußballer, die einen Lauf haben und bei denen es dann plötzlich nicht mehr läuft. Die ein Eigentor schießen oder sonst wie den Sieg der Mannschaft gefährden. Im Netz wird ihnen allzu oft sogar der Tod gewünscht.

Auch Politikern geht das manchmal so. Heute der erhoffte Messias, morgen der verhasste Versager. Und plötzlich bekommen sie Drohungen, gegen sich, gegen ihre Familie, schlimmstenfalls Todesdrohungen … Wieviel Mut gehört heute dazu, auch nur in der Kommunalpolitik Gesicht und Überzeugung zu zeigen! Mir macht diese Entwicklung Angst.“

Jesus hat gewusst, was auf ihn zukommt in dieser Woche vor Ostern, sagt Pfarrer Zippel. „Er hat davor auch Angst gehabt. Aber er hat es mit Absicht ausgehalten, weil er wusste, dass er weiter in Gottes Hand ist. Mir hilft diese Vorstellung!

Wir alle sind in Gottes Hand, im Jubel und im schlimmsten Moment. Er hält uns fest. In allem, was wir denken, tun und verantworten!“

Michael Zippel ist Pfarrer bei der Diakonie Hochfranken und Klinikseelsorger in Hof.