„Ich bin oft richtig sauer“, erzählt Okba Kerdiea aus Syrien (Foto), wenn er ab und zu als Dolmetscher bei der Polizei für Vernehmungen angefragt wird und so mitbekommt, was manche seiner Landsleute meinen, sich hier erlauben zu können.

Okba unterstützt unsere Integrationslosinnen schon seit Längerem ehrenamtlich – wenn er nicht gerade weltweit für seinen Arbeitgeber unterwegs ist, einem großen Bildungswerk.
Nun standen im Rahmen des Dienstunterrichts bei der Polizei in Hof interessante Fragen auf der Agenda: Wie agiert die Polizei in Syrien – und was bedeutet das für die Beamten hier bei uns? Die Integrationslotsinnen hatten neben Okba Kerdiea noch Saad Saad, einen weiteren Ehrenamtlichen, zu der Schulungseinheit mitgebracht.

Okba erklärt: In Syrien tritt die Polizei brutal auf, die Menschen haben Angst und Respekt vor ihr. Auch Lehrer in der Schule seien Respektspersonen, die Kinder würden sogar geschlagen. In Deutschland würden Zugewanderte aus Syrien schnell feststellen, dass hier andere Regeln gelten – und manche wenige versuchten es auszunutzen.
Bei der Schulungseinheit ging es auch um – häufig ungeschriebene – Verhaltensregeln, insbesondere zwischen Frauen und Männern, oder auch um ein anderes Verständnis von Höflichkeit in der syrischen und der deutschen Kultur. Was beides zu Missverständnissen oder Unverständnis führen kann. „Dahinter stehen ganz andere Denkmuster“, weiß Okba.

Okba schilderte auch eindrücklich die erste Zeit in Deutschland, als er in Trogen im Landkreis Hof gestrandet ist. „Es ist ein Alptraum. Wo bin ich hier gelandet?“ seien seine ersten Erfahrungen gewesen. „Ich hatte einen Kulturschock.“ Niemand habe auf der Straße reagiert, wenn er gegrüßt habe – auf dem Land, in einem kleinen Ort bei Hof. Erst als er, der Muslim, sich an den Pfarrer gewandt hat und in der Kirche seine Geschichte erzählen durfte, sei er in dem Dorf richtig angekommen.

Heute hat der 35-Jährige eine Frau und zwei Kinder und viele Freunde gefunden. Er gibt in ganz Deutschland und weltweit Schulungen zum Thema Berufsorientierung. Sein Studium in englischer Literatur wurde hier anerkannt, und er ist zudem ausgebildeter Pädagoge. Doch die Unterschieden und Stolpersteine in beiden Kulturen musste auch er erst mal verstehen …
cs
