Auge um Auge, Zahn um Zahn?

Wer kennt nicht diese Bibelstelle? Wir sind auf einen interessanten Beitrag vom Deutschlandfunk gestoßen: „Vergessen Sie alles, was Sie über dieses Bibelzitat gehört haben. Im Judentum wir es anders interpretiert als im Christentum“, behauptet Rabbiner Rothschild laut diesem Beitrag.

Symbole des Judentums

Rotschild meint damit vermutlich die früher unter Christen häufig zu hörende Auffassung, im „Alten Testament“ sei mit dieser Regel so etwas wie Blutrache oder Körperstrafe gemeint und erst Jesus habe dem ein neues Gebot entgegengesetzt.

Es geht um Geldzahlungen!

Im Judentum wird die Bibelstelle (2. Mose, Kapitel 21, 24) jedoch allgemein so verstanden: Dem / der Geschädigten soll der Schaden, der ihm / ihr entstanden ist, erstattet werden. Und „auch noch bis 20 Prozent des Verlustes oben drauf“, sagt Rabbiner Walter Rothschild. Es geht also ganz klar um Schadenersatzzahlungen.

Und was sagt nun Jesus dazu?

In der Bergpredigt sagt Jeus laut Matthäusevangelium: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Bösen, sondern: Wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ (Mt. 5, 38 – übernommen aus: Das Neue Testament – jüdisch erklärt).

Das Institut für Israelogie zitiert dazu den Theologen und Menschenrechtsexperten Thomas Schirrmacher: Jesu Aufforderung „Widersteht 1 nicht dem Bösen“ sei kein prinzipielles Verbot von Selbstverteidigung und Rechtsanspruch, sondern bedeute je nach Situation den Verzicht auf das eigene Recht, um den Frieden zu wahren und den Unfrieden nicht noch zu verschärfen. 1 gemeint ist wohl: „widerstrebt“– siehe oben

Schirrmacher betont laut diesem Beitrag aber auch, dass zur Zeit Jesu Staat und Gerichte für einen Ausgleich des entstandenen Schadens zuständig seien.

Zum Weiterlesen:

https://www.deutschlandfunk.de/suende-schuld-und-vergebung-im-judentum-einmal-und-nie-100.html

https://www.thomasschirrmacher.info/wp-content/uploads/2009/02/mbstexte007.pdf

Sowie: Das Neue Testament – jüdisch erklärt, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2021